Über 200 Martern und Bildstöcke gibt es im Landkreis Kronach. 15 davon stehen in unserer Pfarrei. Ihre Entstehung weist weit zurück und dürfte im Urglauben des Menschen begründet liegen, dass die Seele eines auf unnatürliche Art Verstorbenen nur im Stein ihre Ruhe findet.
Manche Marter wurde aus Dankbarkeit errichtet, etwa wenn ein Unglück glimpflich ausging und kein größerer Schaden entstand. So erzählt jede dieser Marter ihre eigene Geschichte, die in unserer Pfarrei bis ins 17. Jahrhundert zurück geht.
Etwa 500 Meter südlich von Posseck, am Fuhrweg Richtung Trebesberg und Reitscher Grün gelegen, befindet sich ein Sandsteinpfeiler aus dem Jahre 1765. Diese Jahreszahl ist zusammen mit einer stark verwitterten Inschrift in Westfeld des Sockels zu finden.
Die Ostseite des Sockels ist bezeichnet: HP PA GO TY 20/W 1942. Die vier -Seiten des Pfeilerschaftes, dessen Oberteil abgegangen ist, sind mit Bandelwerk verziert. Unter dem geschlossenen Rundbogen des Aufsatzes, welche die gleichen Verzierungen tragen, erkennt man gegen Osten die Marienkrönung, gegen Süden die Hl. Barbara, gegen Westen die Vierzehn Heiligen mit dem Christuskind in ihrer Mitte und gegen Norden den Hl. Petrus. Der Hl. Petrus schaut in Richtung der im Jahr 1750 verfallenen Peterskirche. Ein großes eisernes Kreuz dient als Bekrönung. Diese Marter gehört zum Anwesen Ellmer Nr. 26 (Bax)
Nach weiteren 500 Metern des gleichen Weges steht auf der Bergkuppe eine Sandsteinmarter aus dem Jahr 1742. Von einer verwitterten Inschrift an der Westseite des Sockels ist noch zu lesen: G… der… 1742. Bandelwerk schmückt die vier Seiten des Pfeilerschaftes, welcher ebenfalls im kleinen Feld der Ostseite eine Inschrift trägt: Jos. Wachter Renov. 1926 Mein Jesus Barmherzigkeit. Unter dem eingezogenen Rundbogen zeigt die Ostseite eine neu gestaltete Marienkrönung (eingesetzte Bildtafel). Alle anderen Seiten tragen reliefierte Kleeblattkreuze. Vom bekrönten Steinkreuz ist der Arm abgegangen. Leider sind über die Vorkommnisse, die zur Errichtung dieser beiden Martern führten, keine Kenntnisse vorhanden.
In der Ortschronik von Größau ist eine weitere Marter in Posseck aufgeführt. Sie soll in der Nähe der Kirche gestanden haben. Nach Befragung älterer Bürger wurde bestätigt, dass vor dem Haus Nr. 23 eine Marter gestanden hat. Bei dieser waren nur noch der Sockel und der Aufsatz vorhanden. Der Schaft war abgegangen, die Überreste dieser Marter sind verloren gegangen.
Die älteste Marter in Gifting steht im Garten des Sägewerks Völkel. Ihr geschwungener Sockel trägt den glatten Säulenschaft, welcher am Oberteil mit der Jahreszahl 1686 bezeichnet ist. In der langen leeren Bildnische, welche nach Westen zeigt, wurde bei einer Renovierung durch die Familie Völkel eine neue Bildtafel angebracht. Sie zeigt die Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes. Die drei anderen Seiten sind leer. Die Überlieferung erzählt folgende Geschichte: Gegenüber auf dem nahe liegenden Berg befand sich ein Jäger auf der Pirsch, als plötzlich aus dem Unterholz ein Rudel Schwarzwild ausbrach und ins Tal stürmte. Von einem ungünstigen Standort aus feuerte der Jäger in das Rudel. Dabei verfehlte seine Kugel ihr Ziel und traf an dieser Stelle einen Mann, der tödlich getroffen niederfiel. Der Standort des Jägers soll beim jetzigen Hofbauernkreuz gewesen sein
In der Ortsmitte steht im Garten der Familie Kotschenreuther eine gewundene Sandsteinsäule aus dem 18. Jahrhundert. Der gewundene und mit Weinranken und Trauben verzierte Schaft trägt einen vierseitig reliefierten Aufsatz mit einer Steinkugel als Bekrönung. Die eingezogenen Rundbogen schließen sich über der Marienkrönung im Osten, der Hl. Katharina gegen Norden, der Glosberger Muttergottes gegen Westen und einer Bischofsdarstellung gegen Süden. Das Grundstück, auf dem die Marter steht, war früher Eigentum von Gilling, einem bedeutenden Bauern in Gifting. Diese Marter wurde im Jahr 1975 von der Familie Kotschenreuther renoviert.
Folgendes Ereignis führt zu ihrer Errichtung: Bei einem schweren Unwetter wurde beobachtet, wie an dieser Stelle der Blitz ins Erdreich einschlug. Die Bauersfamilie war kurz zuvor beim Heuen auf dem Grundstück. Aus Dankbarkeit, dass kein Menschenleben zu beklagen und kein Schaden entstanden war, wurde diese Marter errichtet.
Auf dem Weg zum Friedhof steht rechts eine Marter. Überreste dieser Marter lagen einst am Steilhang am Kuleshügel eingesunken und von Sträuchern überwuchert. Die Familie Grebner ließ diese Marter im Jahr 1976 renovieren und am heutigen Standort aufstellen. Der Aufsatz zeigt auf der Vorderseite (Westen) die Marienkrönung und darunter an der Basis die Jahreszahl 1742, an den Schmalseiten gegen Süden Maria als Mutter der Sieben Schmerzen und gegen Norden den Hl. Thomas. Die Rückseite ist leer. Das Grundstück ist im Besitz der Gemeinde Wilhelmsthal. Nach Auskunft von Leonhardt Grebner gibt es keine Kenntnisse, warum diese Marter errichtet wurde.
Auf einer kleinen Anhöhe links von der Straße nach Posseck steht die Kulles-Marter. Kulla ist der Hausname eines Anwesens, auf dessen Grund dieses Flurmal steht. Diese Sandsteinsäule stammt aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Ostseite des Sockels befand sich einst eine Inschrift, welche nicht mehr lesbar ist. Der mit einer Ringwulst unterteilte Säulenschaft ist mit Bandelwerk verziert und endet in einem korinthischen Kapitell, auf welchen ebenfalls gegen Osten das Relief des Hl. Johann Nepomuk zu sehen ist. Als Reliefs erkennt man gegen Osten die Marienkrönung, gegen Norden die Glosberger Muttergottes und gegen Süden den Hl. Georg als Drachentöter. Das Auffallende an dieser Marter ist, dass Sockel, Schaft und Aufsatz gegen Westen keinerlei Dekor aufweisen. Diese Marter wurde im Jahr 2006 von der Familie Simon renoviert.
Im Unterholz versteckt, etwa 800m nördlich des Ortes, findet man an einem, inzwischen verwachsenen Steig, diesen Sandsteinpfeiler aus dem Jahr 1756. Auf dem Sockel erhebt sich der auf drei Seiten mit Bandelwerk verzierte Pfeilerschaft. Im unteren Teil der Westseite ist zu lesen: „Hans Rech 1756“. Die Ostseite des Schaftes zeigt als Relief unter einem hohen Baum einen vermutlich vom Blitz erschlagenen Menschen. Mit eingezogenen Rundbogen geschlossen und mit einer Steinkugel bekrönt zeigt der Aufsatz vier Reliefs: Gegen Westen die Marienkrönung, gegen Osten den Hl. Petrus mit den Himmelsschlüsseln als Attribut, gegen Süden den Hl. Johannes den Evangelisten mit dem Kelch und gegen Norden die Glosberger Muttergottes. Auffallend ist hier, dass der Hl. Petrus und der Hl. Johannes mit den Attributen gezeigt werden, wie sie die Figuren in unserer Pfarrkirche aufweisen. Der Hl. Petrus stammt aus der ehemaligen Peterskirche. Auch diese Marter steht auf dem Grundstück der Familie Grebner.
Folgendes Unglück führte zur Errichtung dieser Marter: Der „Säuhirt“ der Gemeinde Gifting befand sich mit seiner Herde in der Gegend um den Rauschenberg, als ein schweres Gewitter losbrach. Nachdem er seine durch Blitz und Donner verängstigten Tiere auf keinen Fall ohne Aufsicht lassen durfte, stellte er sich Schutz suchend unter einen Baum. Als der Blitz in den Baum einschlug, wurde auch der Hirte getötet, wie es die Darstellung auf der Ostseite des Schaftes zeigt. Nach Auskunft von Leonhardt Grebner ist in der Familie folgende Geschichte überliefert:
Der Säuhirt habe am Karfreitag trotz Warnung Wurst gegessen, damit diese nicht verdarb. Im Sommer hab ihn dann der Blitz getötet.
In unmittelbarer Nähe des Ortes befinden sich acht Sandsteinmarter. Eine davon steht im Vorgarten von Haus Nr. 4. Am Sockel ist zu lesen: „Errichtet zur Ehre Gottes Georg Betz 1757“. Der gewundene, mit Weinranken und Trauben verzierte Schaft trägt ein jonisches Kapitell. Nach einer Restauration wurde der Aufsatz seitenverkehrt aufgesetzt. Ursprünglich zeigten die Reliefs in folgende Richtungen: Nach Norden die Marienkrönung, nach Westen der Erzengel Michael, nach Süden die Glosberger Muttergottes und nach Osten die H. Anna. Der Errichtungsgrund war ein Unglücksfall. Man erzählt, dass die Bauersfrau von einer scheuenden Kuh angegriffen und getötet wurde.
Am nördlichen Ortsausgang steht auf dem Grundstück der Familie Greiner eine neubarocke Sandsteinsäule aus dem Jahr 1885. Sie stammt aus der Werkstatt des Matthäus Burger aus Friesen. Auf dem Sockel ist gegen Westen zu lesen: „Gg. Diller 1885“. Weinranken zieren den gewundenen Säulenschaft. Die Reliefs zeigen gegen Westen die Marienkrönung, gegen Norden ein Vesperbild und gegen Süden den Hl. Johann Nepomuk. Die Ostseite ist leer. Diese Marter wurde im Jahr 2005 von Heinrich Beyer renoviert.
Obwohl dies die jüngste Marter in unserer Pfarrei ist, liegen keine genauen Angaben über den Errichtungsgrund vor. Nach früheren Erzählungen älterer Größauer war die Familie Diller beim Heueinfahren. Es war ein schwüler Sommertag und die Bremsen belästigten die Ochsen, sodass diese scheuten und mit dem beladenen Heuwagen auf den steilen Abhang zurasten. Dem Bauern gelang es, die Ochsen aufzuhalten und somit ein Unglück zu verhindern. Aus Dankbarkeit, dass er schadlos davongekommen war, ließ er diese Marter errichten. Das Grundstück gehörte zum Anwesen der Familie Diller, Hausname „Kutscher“.
Etwa 100 Meter nördlich an der Straße nach Posseck standen einst Sockel und Aufsatz einer Standsteinmarter aus dem 18. Jahrhundert. Der Aufsatz zeigt gegen Westen als Relief die Marienkrönung, an den Schmalseiten Kleeblattkreuze und die Rückseite ist leer. Die Familie Betz (Nr. 14) lies diese Marter renovieren und wieder einen Schaft einsetzen. Nach der Renovierung wurde sie so aufgestellt, dass die Marienkrönung nach Norden zeigt.
Etwa 500 Meter nördlich von Größau, an der Straße nach Posseck steht eine sehr gut erhaltene Sandsteinsäule. Der Sockel trägt die Inschrift „Johannes Fehn Schultheiß in Grössau Anno 1750“. Der Korkenzieherschaft ist mit Weinranken und Trauben verziert. Die vier Reliefs sind gegen Südosten die Marienkrönung, gegen Südwesten die Hl. Barbara, gegen Nordosten der Hl. Petrus (Peterskirche) und gegen Nordwesten die Hl. Familie. Diese Marter steht auf dem Grundstück von Fam. Angermeier, Nr. 5.
Folgende Geschichte hat sich überliefert: Auf dem angrenzenden Acker eggte ein Bauer mit seinem Knecht den kargen Boden. Für diese leichte Arbeit hatte man extra die Jungtiere vor die Egge gespannt, um sie ans Arbeiten und an die Kommandos zu gewöhnen. Durch eine Schar auffliegender Krähen scheuten die Tiere und gingen durch. Der Knecht versuchte das durchgehende Gespann aufzuhalten. Dabei wurde er von der schleudernden Egge erfasst und von den spitzen Eisenzacken übel zugerichtet. Als er mit dem Leben davonkam, ließ der Bauer aus Dankbarkeit dieses Denkmal setzen.
Am ehemals sehr belebten Fuhrweg nach Reitsch stehen kurz hintereinander vier Sandsteinmartern. Bei drei von ihnen war der Schaft abgegangen und die Aufsätze standen lose auf den Sockeln. Auf Initiative von Kreisheimatpfleger Roland Graf wurden diese Martern von den Familien Zwosta, Löffler und Grebner restauriert und neue Schäfte eingesetzt.
Die erste von ihnen steht etwa 500m außerhalb des Ortes. Der aus dem 18. Jahrhundert stammende Sockel trägt eine stark verwitterte Inschrift, von welcher nur noch „Johann …“ zu lesen ist. Der Aufsatz zeigt folgende vier Reliefs: Die Marienkrönung, die Hl. Katharina, die Hl. Barbara und die Glosberger Muttergottes. Sie steht auf dem Grundstück der Familie Zwosta. Folgendes Unglück hat sich ereignet: Die schmalen, mit Eisenreifen beschlagenen Holzräder des voll beladenen Heuwagens gruben sich tief in den feuchten Wiesenboden ein und so musste der Wagenlenker schon zur Peitsche greifen, sollten die Tiere die große Last auf dem Fuhrweg bringen. An der schrägen Auffahrt kippte plötzlich die ganze Fuhre um und begrub den Lenker, welcher neben dem Wagen lief, unter sich. Bis man das Fuder wieder aufrichten konnte, war der Mann bereits tot.
Nach weiteren 100 m stand der Sockel und der Aufsatz einer Marter aus dem Jahre 1747 am Weg. Der Sockel war stark verwittert und war einst mit einer Inschrift versehen. Schemenhaft erkennt man noch die Jahreszahl 1747. Als Relief erkennt man a Aufsatz die Marienkrönung, ein Vesperbild und den Hl. Johannes Nepomuk. Das vierte Feld ist leer. Diese Marter steht auf dem Grundstück der Fam. Brückner.
Rund 100 m weiter steht in einer Hecke ein Standsteinpfeiler aus dem 18. Jahrhundert. Die Vorderseite des Sockels ist gegen Süden bezeichnet: „Nikolaus … 1726“. Der Aufsatz zeigt als Relief: Gegen Süden die Trinität, gegen Westen die Muttergottes mit Kind und gegen Osten den Hl. Nikolaus. Das nördliche Feld des Schaftes. Und des Aufsatzes ist leer. Das Grundstück gehört der Fam. Betz. Die Errichtung dieses Sandsteinpfeilers erfolgte durch einen anderen Grundstücksbesitzer, da laut Chronik zu dieser Zeit die Hausnummer 18 noch nicht bestand. Vermutlich gehörte das Grundstück zu dem Anwesen Nr. 12. In der Chronik von Größau ist ein Hausnamenverzeichnis von 1884 vorhanden, bei dem das Anwesen Nr. 12 den Hausnamen „Mons“ trägt. Es ist anzunehmen, dass das Grundstück, auf dem diese Marter steht, an die Besitzer der Hausnummer 18 vererbt wurde.
ist diese freistehende Kreuzigungsgruppe am südlichen Ortseingang von Gifting. Sie steht linker Hand, etwas hinter dem ersten Anwesen versteckt, auf einer kleinen Anhöhe.
Die Darstellungen dieser aus Sandstein geschaffenen Dreiergruppe ruhen auf konkav-konvex profilierten, quadratischen Sockeln. Zwischen den Blattgirlanden verzierten Kanten zeigen sich jeweils drei geohrte Kartuschen. Der größere Mittelsockel trägt gegen Süden folgende Inschrift: „Johann Grebner Hoffbauer v. Güffdig 1765“. Am Fuße des wuchtigen 325 cm hohen Standsteinkreuzes ist knieend, zu ihrem Erlöser aufblickend, die Hl. Maria Magdalena dargestellt. Mit drei geschmiedeten Nägeln wurde der 130 cm hohe Sandsteincorpus befestigt. Die Inschriftrolle am Kreuzkopf tritt als Relief hervor (INRI). Links vom Kreuz steht die 130 cm große Figur der Hl. Maria, rechts der Hl. Johannes mit Buch.
Die schon mehrfach ausgebesserten Figuren stehen zwischen drei Linden.