Zu welcher Zeit die Pfarrkirche gebaut wurde, ist nicht feststellbar. Zwischen 1370 – 1400 dürfte die Erbauung einer Kirche anzusetzen sein, da Posseck 1348 noch Wustung war und bevor es ein Dorf wurde, sich wohl keine Kirche baute.
Im Register über die Hussitensteuer vom Jahre 1430 wird eine „Kapelle in Posseck“ genannt, die wohl anfangs ein Holzbau war – im Jahre 1473 in „fast brechlichen“ Zustand geraten…. und wieder aufgerichtet werden sollte mit „notdürftigen Bauen“ … so wie es Bischof Georg von Bamberg den „armen Posseckern“ in seiner Bewilligung: „in ihrer Flur gewachsene Gerste zu brauen“ …. Zugestanden hatte.
Nunmehr wurde aber ein Steinbau aus Bruchsteinen aufgeführt – sowohl „der Chorraum als auch der Kern des Langhauses“ (nach der Beschreibung von Breuer „Landkreis Kronach, S. 221).
Von 1715 bis 1717 wurde durch Mauerarbeit mit „Mauersteinen“ das Langhaus ringsum erhöht wie auch der Turm höher geführt, das Langhaus mit Chorbogen neu bedacht, ein neuer Kirchturmhelm errichtet mit Helmstange und neuem Kreuz und einem Hahn – und Langhaus und Kirchturm mit Schiefer neu gedeckt“ (laut Baukostenrechnung.
Am 22. Juni 1898 schlug ein kalter Blitzschlag in den Kirchturm und traf den damaligen Pfarrverweser Carl Mayer, der gerade die Messe las. Ein besonderer Schaden wurde nicht angerichtet. Die Patene und die Kelchdecke wurden beschädigt. Der geistliche erlitt eine kleine Brandwunde und konnte nach einer halben Stunde den Gottesdienst vollenden.
Am 19. März 1938 brach in der Pfarr- und Schulscheune ein Brand aus, der auch die Scheune des Wirtes Beez Hs. Nr. 24 erfasste. Durch Funkenflug geriet auch der Kirchturm in Brand. Vom Kirchendach konnte glücklicher Weise das Feuer abgehalten werden, so dass im Kircheninneren kein größerer Schaden entstand. Der bis auf die Turmmauern abgebrannte Turmhelm wurde ein Jahr danach neu errichtet.
Über die Ausstattung der Kirche finden sich in den Pfarr-Rechnungen ab 1648 folgende Hinweise:
Es gibt zwei Versionen über die Entstehung der Pfarrei Posseck:
Abtrennung von der Pfarrei Lahm im Jahre 1447 oder von der Pfarrei Rothenkirchen im Jahre 1538.
Es ist denkbar, dass Posseck zunächst seelsorgerisch von Lahm betreut wurde. Zu dieser Zeit war es noch eine kleine Siedlung – 1348 „Wustenpazzek“ – und besaß nur eine Kapelle, so dass wahrscheinlich nur gelegentlich Gottesdienst in Posseck abgehalten wurde – zum Teil auch draußen in der Peterskirche. Mit der Zeit entwickelte sich das Dorf und erhielt im Jahre 1473 die Erlaubnis, „ihr Gotteshaus fast brechlich, mit notwendigen Bauen wieder aufzurichten und zu bauen“.
In der Zwischenzeit war Rothenkirchen von der ehemaligen Urpfarrei Kronach abgetrennt und zu einer eigenen Pfarrei erhoben worden. Es besitzt nachweislich um 1420/30 einen eigenen Pfarrer. Um diese Pfarrei entsprechend auszustatten, wurden die umliegenden Dörfer zu Rothenkirchen geschlagen. Und Posseck – das ja jetzt eine Kirche besaß – wurde Filiale von Rothenkirchen mit einem regelmäßigen Gottesdienst.
Geschichtlich interessant sind dabei die Aufzeichnungen (Terminalbuch) des Karmelitenbruders Heinrich Kaudler aus Bamberg aus dem Jahre 1520. Danach gehört Posseck zur Pfarrei Rothenkirchen.
Einzelheiten erfahren wir aus der Urkunde vom 5. Juni 1538 (Papierabschrift St-Arch.Bbg) in der es heißt: „Nachdem sich Spannungen ergeben, hatten zwischen dem Herrn Pankratius Körner, Pfarrer zu Rothenkirchen und den drei Gemeinden Posseck, Größau und Gifting wegen seines Kaplans, der alle Sonn- und Feiertage zu Posseck eine Messe halte….
Der Pfarrer aber nur 8 Gulden für den Unterhalt des Kaplans erhalte… so wurde durch Weihbischof Neydecker zugelassen, dass die drei Gemeinden auf drei Jahre auf ihre Kosten zu Posseck – wo eine Kirche, Sakrament, Taufe und Begräbnis ist – einen redlichen Priester halten, welcher sich nicht lutherisch, zwinglianisch noch anderer neuen Lehren betätigen darf“.
Damit war die Gründung der Pfarrei Posseck besiegelt.
Da aber die Einnahmen aus den drei Gemeinden nicht ausreichten, wurde Steinberg mit seiner Schlosskapelle zu Posseck geschlagen, nachdem es zuvor zu Lahm gehörte, dessen Pfarrer noch im Jahre 1507 in Steinberg alle Freitage eine Messe halten musste.
So beginnt die Liste der Pfarrer von Posseck du Steinberg (nach den Steinberger Aufzeichnungen) nämlich mit dem Tode des Pfarrers Johan Wagner am 23. Oktober 1540 – „Anna Stark, des Johann Wagners Pfarrer damals zu Steinberg, der daselbst gestorben, erhält für sich und ihre Kindlein Abfindung, da Wagner ohne Testament gestorben ist“ (Paprierurk. 15040 St. Arch.Bbg)
Ab diesem Zeitpunkt waren die Pfarrer von Posseck zugleich auch Pfarrer von Steinberg. An den Sonn- und Feiertagen war Wechselgottesdienst. Doch diese Regelung hatte keinen Bestand.
Im Jahre 1613 waren Pfarrer und Hans Heilger in Bamberg wegen eines eigenen Pfarrherrn für Steinberg. „Wegen der großen Entfernung und den schwierigen Wegverhältnissen zur Winterzeit kam es öfters vor, dass der Pfarrer von Posseck manchmal kaum den dritten Gottesdienst sonntags in Steinberg hielt.
Wurde aber von den Pfarrern die richtige Ordnung eingehalten, so beschwerten sich die Possecker mit dem Hinweis, in der Mutterkirche müssten mehr Gottesdienste gehalten werden.
Um den Streit zu schlichten, wurde man am 26. Januar 1688 beim Weihbischof Schubert in Bamberg vorstellig. In Anwesenheit von Pfarrer Bauser und dem Schultheisen von Steinberg wurde entschieden:
„Von Ostern bis Martini ist der Gottesdienst wechselweise zu halten; außer an den drei hohen Feiertagen Ostern, Pfingsten und Weihnachten.
„Von Martini bis Ostern ist in Steinberg jeweils am dritten. Sonn- oder Festtag Gottesdienst. Das Kirchweihfest und Patronatsfeste werden an beiden Orten gehalten“.
Da diese Vereinbarung keinen Frieden brachte, wurde man im Jahre 1701 erneut in Bamberg vorstellig. Die Hochfürstliche Regierung zu Bamberg entschied am 11. Juli 1701: „dass beide Orte für sich allein einen Pfarrer haben“.
Am 9. März 1702 wurden auch endgültig die Einnahmen der beiden Stellen genau geschieden und geregelt.
Dabei wurde vereinbart:
Aufgelistet erhält ein damaliger Pfarrer von Posseck im Jahre 1701:
Summe ist 192 Gulden, 19 Batzen, 7 Pfenning.
Ferner:
Die Bauern bewirtschafteten damit das Pfarrgut und fuhren Holz und Streu im Pfarrhof. In den Gemeinderechnungen von Größau wird wiederholt „ein Saattrunk“ im Pfarrhaus erwähnt. Im Jahre 1900 stellt Pfarrer Schwendfür den Antrag für die früheren Hand- und Spanndienste als Entgelt 50 Mark zu geben, da sämtliche Pfarrgrundstücke verpachtet seien.
Wenn man die Anlage des vorliegenden Planes betrachtet, so wird deutlich: die Possecker Kirche war ursprünglich eine „Wehrkirche“, rundum mit einer Mauer begrenzt und mit zwei Wehrtürmen ausgestattet.
Der eine Turm an der Nordwest-Ecke stand bis zum Jahre 1878. Grundmauern eines zweiten Turmes fand man noch im Jahre 1911, als der Friedhof an der südwestlichen Seite erweitert und die alte Friedhofsmauer an dieser Stelle niedergerissen wurde.
Interessant ist, was Adam Scherbel im Jahre 1882 über den Nordwestturm schreibt: „Im Jahre 1829 – so lautet sein Bericht – wurde der Friedhof gemacht und am Turm gebaut. Diesen Turm habe ich noch gekannt. Es war ein großer, runder Turm aus Steinen gemauert, mit einem hölzernen Dach und mit Schiefer beschlagen. Die Runde wird einen Durchmesser von sechs Metern oder 20 Schuh gehabt haben. Die Höhe war ungefähr neuen Meter oder 27 bis 30 Schuh.
Der Turm diente zuletzt zum Aufbewahren der Schädel und Knochen früherer Verstorbener, die im Friedhof ausgegraben wurden; er wurde auch „Beinhaus“ genannt.
In demselben konnten zirka sechs bis sieben Fuder Totengebein gewesen sein. Besonders muss jeder, der diese Knochen sah, zu dem Geständnis kommen, dass in alter Zeit die Menschen unglaublich stark gewesen sein mussten; denn es waren lauter Glieder und Röhren, wie sie jetzt kaum mehr Leute aufweisen können und wenn sie die stärkste Mannsperson wären. Die Schädel mit blankem Bein aber besaßen noch das vollständige Haar mit dem vollständig ganzen und starken Gebiss.
Dieses Beinhaus (Turm) wurde im Frühjahr 1878 abgebrochen, weil das Dach baufällig geworden war. Die Steine wurden zum Teil verstrichen oder auf die Straße gefahren. Für die Totengebeine wurde ein großes Grab gleich neben dem Turm gemacht und eingeschüttet. Dieses Beinhaus stand gegenüber dem „Baks“ Hs Nr. 26 in der Umfassungsmauer, zur Hälfte der Runde auf der Straße, zur anderen Hälfte im Friedhof. Die Friedhofsmauer selbst war in früherer Zeit mit einem schieferbeschlagenen Dächlein abgedeckt, wie noch heute rechts vom oberen Eingang zu sehen ist. Das Dächlein wird bereits in der Pfarr-Rechnung 1652 erwähnt: „Ausgaben für das Dächlein auf der Mauer“ – „den Friedhof mit Schwarten zu verschlagen, allwo die Mauer eingefallen ist und neu errichtet wird“ (im Jahre 1669).
Der obere Eingang zur Kirche wurde erst 1899 durchgebrochen. Die Gemeinde Größau übernahm die Kosten, soweit sie nicht von „Guttätern“ erbrach, wurden (Gem. Beschl. Größau vom 12.01.1899). Der Eingang bei „Mittels“ Hs. Nr. 28, der beim Neubau des Pfarrschulhauses angelegt wurde, ging bereits 1903 wieder ein, als man die alte Schule abriss und im Jahre 1911 die Kirchhofmauer entlang der Straße neu errichtete; dabei wurde auch der Platz der früheren Schule als Friedhofsgelände mit einbezogen.
(„wie sie aus den vorhandenen Matrikeln der Pfarrei aufzufinden waren“)
Alljährlich wird sein Fest am 27. Dezember gefeiert; dabei wird der Johanneswein ausgeteilt: „Trinket die Liebe des heiligen Johannes“. Dieser schöne Brauch wird schon in der Pfarr-Rechnung 1648 erwähnt: „Ausgab für Johanneswein“.
1. Mai